

Framer hat heute Abend mit Framer 3.0 das „größte Update seit Jahren" ausgeliefert. Drei Neuerungen stehen im Zentrum: KI-Agenten, die direkt auf dem Canvas arbeiten, ein Branching-System für Teams und eine komplett neue Community-Plattform.
Die zentrale neue KI-Funktion, Framer Agent arbeitet direkt im Editor. Die KI sieht denselben Canvas, dieselben Komponenten, das gleiche CMS, dieselben Styles und SEO-Einstellungen wie das Team. Koen Bok bezeichnet das im Ankündigungsartikel als „Cursor für Design".
Die Liste der Aufgaben, die Agent dabei übernehmen kann, ist sehr mächtig:
Pages und Layouts aus Prompt oder Screenshot bauen
Responsive Breakpoints anpassen
Style-Systeme (Farben, Typografie) konsistent machen
Effects, Animationen und Custom Components erstellen
CMS-Collections anlegen, Inhalte importieren, Detail-Pages bauen
SEO-Metadaten generieren
Sites auf Broken Links, Accessibility und Style-Inkonsistenzen prüfen
Inhalte zwischen Sprachen lokalisieren

Auf der Agents-Seiteᶠ listet Framer dutzende Beispiel-Prompts, vom kompletten Site-Aufbau bis zum punktuellen Eingriff („Tausche alle Instanzen der Farbe #FF5733 mit der neuen Farbe, #E94560").
Im Editor lassen sich Layer auswählen und als Kontext an den Chat anhängen, Seiten, CMS-Kollektionen und Styles per @-Mention referenzieren und fokussierte Aktionen mit Slash-Commands („Skills") aufrufen. Drei Modelle stehen zur Wahl: Claude Sonnet 4.6 (0,9x Credit-Kosten), GPT 5.5 (Standard) und Claude Opus 4.8 (1,8x). Prompts lassen sich in eine Queue setzen, mehrere Anfragen laufen nacheinander durch.
Mit den Agents kommt Branching, ein Versionssystem ähnlich dem GitHub-System, aber direkt im Framer-Editor. Teams können in isolierten Branches arbeiten, Änderungen vergleichen, freigeben und nach Review in die Hauptversion zusammenfügen.

Branching ist das eigentliche Sicherheitsnetz für die Arbeit mit KI. Wenn ein Agent zehn Pages gleichzeitig umbaut, ist die größte Sorge: Was, wenn das Ergebnis schlechter ist als der Ausgangspunkt? In reinen KI-Webbuildern landet so etwas direkt in der produktiven Version. In Framer 3.0 bleibt es in einem Branch, der bei Bedarf verworfen oder iteriert werden kann.
Damit wird Framer Agents auch für professionelle Teams nutzbar, die ihre Live-Sites nicht auf gut Glück verändern lassen wollen. Branching ist gerade in der KI-Welt besonders wichtig, weil sich damit alles rückgängig machen lässt.
Allerdings: Branching ist erst ab dem Pro-Plan verfügbar.
Wer schon mit Claude Code, Cursor, Codex oder Gemini CLI arbeitet, konnte Framer bereits über MCP-Plugins direkt mit dem Tool verbinden. Nun hat Framer zum großen Update eine offizielle Schnittstelle veröffentlicht. External Agents lesen, verändern und bauen in Framer-Projekten genau wie die internen Agents, nur über das eigene KI-Abo statt über Framer-Credits.

Der Framer MCP ist mit Framer 3.0 deutlich mächtiger geworden und ab sofort in Beta-Version verfügbar.
Mit den Agents führt Framer ein Credit-System für die KI-Nutzung ein. Jeder Plan bekommt ein eigenes Kontingent, das gilt ohne Preisänderung und auch für bereits bestehende Abos:
Plan | KI-Credits | Reichweite |
|---|---|---|
Free | 500 pro Tag, monatlich gedeckelt unter Basic | etwa zwei Landing Pages |
Basic | 1.000 pro Monat | etwa fünf Landing Pages |
Pro | 3.000 pro Monat | etwa zehn Landing Pages |
Zusätzliche Credits lassen sich ab 1.000-Paketen jederzeit nachkaufen. Die Kostenstaffel: Landing Page generieren etwa 300 Credits, Page responsive machen etwa 150, große Edits etwa 100, kleine etwa 50.
Framer Pro-Experten erhalten die doppelte Kapazität pro Credit.
Bemerkenswert fair ist die Refund-Policy: Liefert ein Agent ein unbefriedigendes Ergebnis, reicht ein Klick auf „Mark as Bad" in der Änderungs-Übersicht, und die Credits werden zurückerstattet. Plus der ungewöhnlich offene Hinweis: Wer ohnehin Claude oder Codex nutzt, kann External Agents einsetzen und seine Framer-Credits komplett sparen.
Parallel zu Framer 3.0 startet eine komplett neue Community-Plattform. Sie bündelt sechs Bereiche unter einem Dach: Marketplace, Gallery, Awards, Social Feed, Members und Contests.

Die wichtigste Änderung im Marketplace: Templates, Plugins und Komponenten gehen nicht mehr durch ein Review-Verfahren, bevor sie veröffentlicht werden. Jorn van Dijk erklärt in einem begleitenden Beitrag, dass das alte Review-System zum Engpass geworden sei. Die Qualitätssicherung verschiebt sich von Pre-Publish-Review zu Moderation und Ranking-Algorithmus. Schlechte oder kopierte Templates werden vom Algorithmus nicht hochgespielt, die Moderation kann eingreifen.
Für Creator heißt das: schnellere Veröffentlichung, aber Qualität entscheidet noch stärker über Sichtbarkeit als bisher.
Framer hat 2025 nach eigenen Angaben 6,5 Millionen Dollar an Creator ausgezahlt, ein Plus von 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei mittlerweile über 7.000 aktiven Marketplace-Creators. Framer behält weiterhin keinen Anteil an den Creator-Einnahmen ein.
Bei den Site-Plänen verschwindet der Scale-Plan. Es gibt jetzt neben dem individuellen Enterprise-Plan nur noch zwei Bezahl-Stufen: Basic für persönliche und kleinere Sites, Pro für Business und Teams. Wer an die Grenzen von Pro stößt, kann hier flexibel einzelne Erweiterungen zubuchen, um bis an das frühere Scale zu kommen.
Erst kürzlich war der Basic-Plan deutlich attraktiver geworden, mit zwei CMS-Collections statt einer und 50 GB Bandbreite statt 10 GB. Auch die Mitbearbeiter-Preise wurden reduziert.
Neben den großen neuen Funktionen und Releases hat Framer auch das Design der Oberfläche angefasst: Neue Icons, optimierte Schriftart, ein verändertes Menü und andere kleine Anpassungen. Auch die Framer-Webseite framer.comᶠ wurde umfassend neugestaltet.
Der vielleicht wichtigste Punkt aus dem heutigen Launch ist nicht wirklich laut ausgesprochen worden, lässt sich aber in einem Satz zusammenfassen: „Alles bleibt editierbar."
Genau dort liegt Framers strategischer Trumpf. Lovable, Claude Design und Figma Sites generieren Code oder statische Layouts, die in der KI-Welt entstehen und dort meistens auch bleiben. Wer als Designer oder Team an die Details ran muss, stößt schnell an Grenzen und verliert sich in ewigen, credit-intensiven Iterationen.
Framer geht den umgekehrten Weg: KI im Inneren des bestehenden Editors. Alles, was ein Agent baut, ist von Hand veränderbar, in derselben Logik, in der man Framer ohnehin nutzt. Das ist langweiliger zu demonstrieren als ein „Bau mir eine Site in 30 Sekunden"-Spektakel, aber für professionelle Arbeit deutlich relevanter. Und durch die tiefe KI-Integration, die nicht nur Design anpassen oder Elemente hinzufügen kann, wird der Agent zum mächtigen Tool innerhalb des Projekts. So lassen sich Analysen erstellen, SEO-Texte hinzufügen, Inkonsistenzen finden und vieles mehr.

Dazu kommt eine zweite Botschaft, die in der Branche selten ist: Framer kommuniziert ungewöhnlich fair mit dem Pricing. Credit-Refunds bei schlechten Antworten, Transparenz dazu, dass man auch externe KI-Abos nutzen darf, doppelte Credit-Kapazität für Pro-Experten: Das ist wohl die Preisgestaltung eines Tools, das Vertrauen aufbauen und seine Position als Standard verteidigen will.
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Autor: so geht UI


